Art-Déco-Marketerie – inspiriert von einem Life-Cover aus dem Jahr 1927

Manche Projekte brauchen einfach Zeit
Es gibt Arbeiten, die entstehen innerhalb weniger Tage. Andere begleiten einen über Jahre. Diese Marketerie gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Bereits 2019 begann ich mit der Umsetzung eines historischen Life Magazine Covers aus dem April 1927. Mich faszinierte sofort die elegante Art-déco-Illustration von Coles Phillips. Die klaren Farbflächen, die reduzierte Formensprache und die Atmosphäre der goldenen Zwanziger schienen wie geschaffen dafür, in Holz übersetzt zu werden.
Gleichzeitig war mir bewusst, dass genau darin die Herausforderung liegt: Nicht mit Farbe zu arbeiten, sondern ausschließlich mit unterschiedlichen Furnieren, ihrer natürlichen Farbigkeit und ihrer Maserung.
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Vom Magazincover zum Furnierbild.
Am Anfang steht immer die gleiche Frage: Welche Holzart übernimmt später welche Farbe?
Anders als bei einer Malerei lässt sich später nichts mehr übermalen oder korrigieren. Jede Fläche muss bereits vor dem ersten Schnitt das richtige Holz erhalten.
Für den Hintergrund entschied ich mich für Nussbaum. Das Kleid besteht aus verschiedenen hellen Furnieren wie Pappel-Maser, geriegelter Pappel und Birken-Maser. Für die Einkaufstasche im Vordergrund kam Vogelaugen-Ahorn zum Einsatz.
Alle verwendeten Furniere sind naturbelassen. Keine Fläche wurde gebeizt oder eingefärbt. Die gesamte Farbwirkung entsteht ausschließlich durch unterschiedliche Holzarten.
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Mit dem Skalpell statt mit der Laubsäge.
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Langsam entsteht die Illustration.
Nach und nach fügen sich die einzelnen Furnierteile zu einer Illustration zusammen. Dabei spielt nicht nur die Farbe des Holzes eine Rolle. Auch die Maserung wird bewusst eingesetzt. Sie folgt beispielsweise dem Verlauf der Beine oder unterstützt die Falten des Mantels. Dadurch entsteht Tiefe, obwohl keinerlei Farbe verwendet wird. Genau diese Übersetzung einer gedruckten Illustration in unterschiedliche Holzstrukturen macht für mich den besonderen Reiz der Marketerie aus.
Manchmal braucht ein Projekt einfach Zeit
Dann kam das Leben dazwischen. Das Bild verschwand für einige Jahre in einer Schublade. Nicht, weil das Interesse verloren gegangen wäre, sondern weil andere Projekte Vorrang hatten. Vielleicht kennen einige Leser sogar noch meinen damaligen Blogger-Beitrag aus dem Jahr 2019. Umso schöner ist es, diese Arbeit heute wieder auf den Werktisch legen zu können.
Zurück auf dem Werktisch
Mit etwas Abstand sieht man viele Details plötzlich mit anderen Augen. Einige Bereiche wurden noch einmal überarbeitet, andere ergänzt. Besonders die großen Schriftzüge verleihen dem Motiv inzwischen die Wirkung eines historischen Magazincovers.
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Wenn Holz plötzlich lebendig wird.
Noch nicht ganz fertig – aber endlich wieder auf dem Weg
Nach dem Schleifen folgt die erste Schellackgrundierung. Dieser Moment gehört für mich zu den schönsten während einer Marketeriearbeit. Die Maserung beginnt sichtbar zu werden, die Kontraste gewinnen an Tiefe und die unterschiedlichen Holzarten entfalten ihre natürliche Farbigkeit.
Obwohl die eigentliche Schellackpolitur noch aussteht, lässt sich jetzt bereits erkennen, wie viel Wärme und Lebendigkeit in den einzelnen Furnieren steckt. Nach sieben Jahren ist das Ziel endlich in Sicht. Danach wird dieses Art-Déco-Motiv seinen endgültigen Charakter erhalten.
Wie am Anfang gesagt: manche Projekte brauchen eben Zeit. Vielleicht gerade deshalb erzählen sie am Ende die schönsten Geschichten.
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Schellackgrundierung - das Ziel ist endlich in Sicht.
Für diese Marketerie kamen insgesamt zahlreiche naturbelassene Furniere zum Einsatz. Je nach Farbton, Maserung und Struktur wurden unterschiedliche Holzarten kombiniert. Zu den wichtigsten gehören:
- Nussbaum
- Vogelaugen-Ahorn
- Pappel-Maser
- Birken-Maser
- geriegelte Pappel
